Evangelische Kirchengemeinden Obermeiser und Westuffeln

 

Jubiläum "1050 Jahre Westuffeln" - Geschichte Westuffelns

400 v. Chr. bis 1500 n. Chr. – Erste Siedlungen bis Spätmittelalter –

  • 400 v. Chr. bis 400 n. Chr.:
    Gründung der ältesten Siedlungen entlang der Flussläufe; Verdrängung der Chatten aus dem Diemelgebiet
  • 850:
    Im Güterverzeichnis des Klosters Fulda wird das Dorf "Ufelohun" genannt. Es ist unklar, ob West- oder Burguffeln (früher: Ostuffeln) gemeint war.
  • 965:
    Am 12. April 965 ist in einer Schenkungsurkunde des Kaisers Otto I. die Formulierung "ufloun et altera ufloun" (= Uffeln und das andere Uffeln) enthalten. Gemeint sind Westuffeln und Burguffeln, die als Zubehör zum königlichen Hof Rösebeck an die Kirche des heiligen Mauritius zu Magdeburg verschenkt wurden. Dieses Datum gilt daher als erste gesicherte urkundliche Erwähnung Westuffelns. Der Name "Westuffeln" ist aus der ursprünglichen Bezeichnung "Uffelohun" (= auf dem Loh) abgeleitet. Orte mit dem Namensbestandteil "Loh" führen in der Regel ihren Ursprung auf die Zeit der ersten Ortsgründungen um Christi Geburt zurück. Über "Ufloun", "Uflon", "Uflahun" und"Ufflan" wurde dann der Begriff "Uffeln" gebildet.
  • 12. Jh.:
    Bau des Kirchturms der Kirche Westuffeln
  • 13. Jh.:
    Ersterwähnung von "Bromelsen", später eine Wüstung in der Westuffelner und Meimbresser Gemarkung, im Schöneberger Lehensregister
  • 1318:
    Die Herren von der Malsburg besitzen das Patronat für die Kirche von Westuffeln.
  • 1376:
    Bezeichnung von "Linde" als Wüstung in der Gemarkung Westuffeln
  • 1424:
    Das Erzbistum Mainz belehnt die Herren von der Malsburg mit dem halben Zehnten von Westuffeln, die andere Hälfte steht dem Landgrafen zu.

1400 bis 1700 – Renaissence, Reformation und 30-jähriger Krieg –

  • 1524:
    Erste Erwähnung der "Linderwarte"
  • 1528:
    Nennung von "Siemessen" als Wüstung südlich von Westuffeln
  • 1572:
    Westuffeln hat zu dieser Zeit 107 Haushalte mit rund 480 Einwohnern.
  • 1572:
    Erwähnung einer Steinbrücke in Westuffeln, für die damalige Zeit eine Seltenheit
  • 1614:
    "Häßliche Gemälde" und das Mainzer Wappen werden im Zuge der Reformierung aus der Kirche entfernt.
  • 1622:
    Der neue Friedhof wird am 2. Januar 1622 eingeweiht. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Toten in Westuffeln vor der Kirche beerdigt.
  • 1639:
    Im hessischen Mannschaftsregister sind für Westuffeln noch "30 Hausgesessene und 10 verwitwete Personen" verzeichnet. Das bedeutet, dass in Westuffeln als Folge des 30-jährigen Krieges nur noch etwa 180 Einwohner lebten.
  • 1648:
    Ende des 30-jährigen Krieges. Durch den Krieg sind bei Westuffeln 3 Wüstungen entstanden: Heilige Wart (am Wartberg), Catzburg und Linden (nördlich von Westuffeln)
  • 1659:
    Bau des ältesten bekannten Pfarrhauses an der Holländischen Straße
  • 1660:
    Anklage gegen eine katholische Magd aus Westuffeln wegen Zauberei.
  • 1694:
    Das Predigerhäuschen auf dem Friedhof wird gebaut, Baumeister ist Johannes Holt.

1700 – 1800 – Malsburg und Poststation –

  • 1700:
    Hermann Otto von der Malsburg stirbt bei einer Saujagd im heute noch so genannten "Hermann-Otto-Grund" des Escheberger Waldes. Ein Keiler hatte ihm eine tödliche Wunde beigebracht. Ein auffälliger Ring ging hierbei verloren und wurde 150 Jahre später von Holzfällern gefunden. Er wird noch heute als Familienerbstück in Escheberg aufbewahrt. Am 17. Juni 1700 wird Hermann Otto von der Malsburg "abends bei Fackeln und vielen Lichtern" beigesetzt. Das Epitaph in der Kirche aus Eichenholzschnitzerei ist Hermann Otto von der Malsburg gewidmet
  • 1724:
    Am 05.08.1724 errichtet Landgraf Carl das erste hessische Postreglement. In den "Kurszetteln" für die Holländische Straße wird auch Westuffeln als Station genannt. 
  • 1759:
    Ab 1759 leidet die Bevölkerung unter der Einquartierung verschiedener Truppen während des 7-jährigen Krieges. Zeitweise befinden sich mehr fremde Soldaten als Einwohner im Ort. Zu Kampfhandlungen kommt es in Westuffeln jedoch nicht.
  • 1762:
    In Westuffeln wird ein Schäfer erschossen, als er sich gegen die Plünderung seines Hauses zur Wehr setzen will.
  • 1768:
    Das Malsburg-Sieberhausensche Erbbegräbnis mit Kapelle an der Kirche wird abgebrochen und die Kirchenmauern dabei so beschädigt, dass sie mit Strebepfeilern verfestigt werden müssen. Die zwei Strebepfeiler am Turm sind heute noch vorhanden.
  • 1776:
    Beginn des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Infolge eines Hilfeleistungsvertrages muss Hessen 12.000 Soldaten an England abstellen. Das Grenadier-Regiment von Oberst Rall wird zunächst in Grebenstein in Garnison gelegt. 30 Soldaten aus Westuffeln werden mit dem Regiment nach Amerika verschifft.
  • 1777:
    Nur langsam erholte sich Westuffeln von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges; 419 Menschen wohnen in 95 Wohngebäuden.
  • 1794:
    Westuffeln ist Poststation und Vorspannwerk.

1800 – 1850 – Napoleon und Befreiungskriege –  

  • 1800:
    Nach einer handschriftlichen Nachricht wird in Westuffeln neben der gewöhnlichen Kirmes auch eine "Sandkirmes"gefeiert.
  • 1803:
    Ein neues Schulgebäude wird am Kirchplatz gebaut.
  • 1812:
    Napoleon lässt die Holländische Straße vor seinem Russlandfeldzug ausbauen. Im Obergeschoss der neuen Schule wird ein Lazarett eingerichtet.
  • 1814:
    Nach dem gescheiterten Russlandfeldzug Napoleons folgt der Befreiungskrieg gegen die französische Besatzung. Ein "Ehren-Denckmal" in der Kirche erinnert dabei an die 25 "Kurhessischen Vaterlands-Vertheidiger" aus Westuffeln.
  • 1848:
    Bis 1848 holt auch die Stadt Hofgeismar ihre Post in Westuffelns Poststation ab.

1850 – 1900 – Friedenshügel, neue Kirche und Verkoppelung –

  • 1858:
    Westuffeln hat 680 Einwohner in 103 Häusern.Durch die schwierige Wirtschaftslage setzt auch in Westuffeln eine große Auswanderungswelle - insbesondere nach Amerika - ein.
  • 1871:
    Aus dem deutsch/französischen Krieg 1870/71 kehren 18 junge Männer aus Westuffeln gesund zurück. Aus Dankbarkeit über die glückliche Heimkehr wird der Friedenshügel angelegt, eine Friedenseiche und für jeden heimgekehrten Soldaten eine Linde im Halbkreis darum gepflanzt.
  • 1880:
    Zahlreiche Risse in den Kirchenmauern machen einen Abriss der alten Kirche und einen Neubau notwendig, wobei der aus Kalksteinen gemauerte Wehrturm aus frühromanischer Zeit erhalten bleibt. Die Baukosten trägt die Gemeinde allein, die bunten Kirchenfenster können durch Spenden von Gemeindegliedern finanziert werden.
  • 1883:
    Am 18.03.1883 wird das neue Kirchenschiff eingeweiht.
  • 1890:
    Erster Rezess zur Regelung der Bezugsrechte der Gemeindenutzen in Westuffeln. Der gemeinschaftliche Grundbesitz besteht seither aus 113 Anteilen und wurde vom Eigentum der politischen Gemeinde getrennt.
  • 1893:
    Am 30. Oktober 1893 beginnt ein Dampfpflug aus Göttingen, das bis dahin wüst liegende Triesch mit etwa 240 Morgen umzupflügen. Die Gemeinde verpachtet das neue Ackerland in kleinen Stücken vor allem an die Besitzer kleinerer Landflächen im Ort.

1900 – 1930 – 1. Weltkrieg und Inflation –  

  • 1901:
    Die erste Dreschmaschine kommt nach Westuffeln und wird von Familie Finis betrieben.
  • 1909:
    Die Wasserleitung mit einer zentralen Wasserversorgungsstation vor dem Hagen wird gebaut und löst die bisherige Versorgung aus Brunnen ab.
  • 1918:
    Der 1. Weltkrieg ist zu Ende. Aus Westuffeln sind 15 Soldaten gefallen, vermisst oder durch Kriegsfolgen verstorben.
  • 1922:
    Der elektrische Strom hält mit dem Anschluss an das Überlandwerk Einzug in Westuffeln.
  • 1923:
    Während der Inflationszeit wird im Kreisgebiet "Notgeld" eingeführt. Die Scheine im Wert von 100.000,--, 500.000,--und 1.000.000,-- Mark zeigen die Stadtbilder von Grebenstein, Hofgeismar und Immenhausen. Die Inflation treibt auch in Westuffeln seltsame Blüten: eine Schachtel Streichhölzer kostet 60 Milliarden Mark, ein Hühnerei 200 Milliarden Mark und ein Zentner Weizen 10 Billionen Mark.
  • 1926:
    Der erste Traktor, ein 28-PS-Hanomag, der mit Petroleum betrieben wurde, kommt nach Westuffeln.
  • 1926:
    In Meimbressen wohnen etwa 80 jüdische Bürger.Kaufleute kommen auch nach Westuffeln und gehen ihren Geschäften nach.

1930 – 1950 – NS-Zeit, 2. Weltkrieg und Amerikaner im Ort –

  • 1933:
    Die "Machtergreifung" Hitlers und der NSDAP verändert auch das dörfliche Leben in Westuffeln nachhaltig. Bei der letzten Reichstagswahl wählen 276 Westuffelner NSDAP, 28 stimmen für KSWR, DVP: 1, SPD: 46, KPD: 15, CSVD: 3, Zentrum: 1, STP: 1. Danach werden alle Parteien außer derNSDAP verboten.
  • 1934:
    Im August wird die "Bekennende Kirche von Kurhessen-Waldeck" gegründet. Pfarrer Hochgrebe und Pfarrer Heldmann zählen zu den Mitgliedern. Nach der Verteilung von Flugblättern in Obermeiser und Westuffeln wird der Pfarrer verwarnt.
  • 1943:
    Nach dem Großangriff auf Kassel am 22.10.1943, bei dem 15-20.000 Menschen sterben, stürzt ein alliiertes Flugzeug am Oppermannsberg ab. 6 Insassen (2 Kanadier, 4 Engländer) kommen ums Leben, der Pilot Kenneth Hurst kann sich mit dem Fallschirm retten, stellt sich 2 Tage später in Laar und kommt in Kriegsgefangenschaft. Die toten Soldaten wurden zunächst auf dem Friedhof Westuffeln beerdigt und 1947 nach Hannover überführt.
  • 1944:
    Die Glocken der Kirche werden abtransportiert und sollen für die Rüstungsproduktion eingeschmolzen werden.
  • 1945:
    Ostern 1945 rücken amerikanische Soldaten in Westuffeln ein, der 2. Weltkrieg ist damit beendet. Insgesamt ließen 51 Männer aus Westuffeln in oder durch diesen Krieg ihr Leben.
  • 1948:
    Bei einer Flüchtlingszählung werden die Herkunftsländer der als Folge des 2. Weltkriegs in Westuffeln aufgenommenen Flüchtlinge festgehalten. Danach kamen 25 Flüchtlinge aus dem Oder/Neiße-Gebiet, 161 aus dem Sudetenland, 63 aus Ungarn, 5 aus Rumänien, 14 aus Polen und 8 aus dem übrigen Ausland. Zudem werden 15 Evakuierte aus den zerbombten Großstädten gezählt.

1950 – 1970 – Neue Schule, Mähdrescher und Tausendjahrfeier –

  • 1950:
    Grundsteinlegung für die neue Volksschule am Friedenshügel. Zu dieser Zeit hat Westuffeln 985 Einwohner, darunter 273 Flüchtlinge und 81 Evakuierte.
  • 1952:
    Lehrer Alexander Vial beendet seinen Schuldienst in Westuffeln. Er hat seit 1917 die Schule geleitet und 690 Kinder aus Westuffeln unterrichtet.
  • 1959:
    Der erste Mähdrescher kommt nach Westuffeln.
  • 1961:
    Am 3. September 1961 werden neue Glocken der Westuffelner Kirche eingeweiht.
  • 1963:
    Der Kirchenvorplatz wird neu gestaltet: Das alte Spritzenhaus wird abgebrochen, die Gärten beseitigt und das jetzige Pfarrhaus gebaut.
  • 1964:
    Vom 19. bis 28. Juni 1964 findet in Westuffeln die Tausendjahrfeier statt. Dieses wohl größte Fest in der Geschichte Westuffelns findet mit dem historischen Festzug seinen Höhepunkt. Das neue Feuerwehrgerätehaus wird eingeweiht.
  • 1966:
    Die Schule in Westuffeln wird aufgelöst. Westuffelns Kinder gehen seither in Calden, Grebenstein und Hofgeismar zur Schule.
  • 1969:
    Lehrer i.R. Alexander Vial wird zum ersten (und einzigen) Ehrenbürger der Gemeinde Westuffeln ernannt.

1970 – 1990 – Gebietsreform, Vereinsgemeinschaft und Mauerfall –

  • 1971:
    Am 1. Februar 1971 geht die politische Eigenständigkeit der Gemeinde Westuffeln mit dem Zusammenschluss zur Großgemeinde Calden zu Ende.
  • 1974:
    Die Tränke, Wasserzufluss zur zwischenzeitlich stillgelegten Dorfmühle, verschwindet im Zuge der Umgestaltung der Dorfmitte aus dem Ortsbild.
  • 1978:
    Erweiterung der Mineralwasserabfüllanlage vor der Struth und Wiederinbetriebnahme durch die Wilhelmsthaler Mineralbrunnen GmbH
  • 1980:
    Gründung der Vereinsgemeinschaft Westuffeln
  • 1982:
    Einweihung des Grillplatzes der Vereinsgemeinschaft vor der Struth

1990 – 2015 – Unser Dorf hat Zukunft –

  • 1991:
    Mit der Einweihung des evangelischen Kindergartens im ehemaligen Schulgebäude wird der bisherige Kinderspielkreis abgelöst.
  • 2000:
    Zum 3. Mal nach 1968 und 1978 ist der Schützenverein Westuffeln Ausrichter des Kreisschützenfestes für den Schützenkreis Hofgeismar. Anlass ist das 75-jährige Vereinsjubiläum. Zu einer Disco mit dem Radiosender FFH kommen über 2.000 Besucher.
  • 2003:
    Am 14. und 15. Juni wird das neue Feuerwehrgerätehaus im Rahmen eines Tages der offenen Tür offiziell übergeben.
  • 2004:
    Dorffest mit Vorstellung der Chronik "et altera ufloun - das andere Uffeln"
  • 2005:
    Westuffeln kommt bei dem Wettbewerb "Dolles Dorf" des Hessischen Fernsehens bis zur 2. Runde, scheitert dann aber knapp.
  • 2010:
    Gründung der Energie-Genossenschaft BioWärme Westuffeln; Ziel ist die Wärmeversorgung des Dorfes mit einem Nahwärmenetz.
  • 2011:
    Westuffeln nimmt erstmals am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ teil und belegt auf Anhieb den 1. Platz auf Kreisebene.
  • 2014:
    Einweihung der neuen Raumschießanlage des Schützenvereins
  • 2015:
    Westuffeln feiert die 1050-Jahrfeier